PROF. HON., PROF. DR.-ING. INGO KLOECKER
ZUKUNFTSINITIATIVE KAISERSTRASSE
NÜRNBERG

Federführung: Stadt Nürnberg, Wirtschaftsreferat
Eingebunden sind die Eigentümer und die Mieter.
Mit der Gesamtgestaltung beauftragt:
Prof. Dr.-Ing. Ingo Klöcker



Ausgangssituation
Die Kaiserstraße war einst die Top-Adresse von Nürnberg. Sowohl die gesamtwirtschaftliche Lage, als auch der Strukturwandel des Handels sind nicht spurlos an ihr vorüber gegangen. Hinzu kam eine gewisse Nachlässigkeit im Gegensteuern, sodass die einstige 1A-Lage an andere Straßen abgegeben werden musste. Die Dauerbaustelle Fleischbrücke und lang andauernde Leerstände taten das Ihrige. Ein Straßenmarketing fand nicht statt.

Analyse / Synthese
In einer umfangreichen Analyse wurden die Mängel aufgezeigt. In der sich anschließenden ausführlichen, aufwendigen und in allen Einzelheiten abgesicherten Entwurfs- und Konkretisierungsphase entstanden folgende Ansätze (Auszug):

Anbindung
Die Kaiserstraße liegt abseits der großen Passantenströme. Weder die Achse Bahnhof-Königstraße-Hauptmarkt noch die der Breite Gasse oder der Karolinenstraße wurden weder städtebaulich noch mit wirksamer Information angebunden.

Das Eingangstor Josephsplatz wird nun erkennbar und einladender gestaltet. Hier könnte, wie in Wien oder München, zusätzlich das Pflaster, und wie in Riedenburg: Landmarks, helfen. Das Eingangstor Königstraße muss von den vielen hässlichen Reklameutensilien befreit werden. Die Industriefassade der Parkhausrückseite wird mit Bäumen verdeckt oder aber farblich und Interesse weckend gestaltet. Hier muss sich das Nürnberg von heute zeigen. Der U-Bahneingang und der verbliebene Rest des einstigen Stangengässchens, heute ein dunkles unwirtliches Loch, wird heller und einladender.

Beleuchtung
In der ganzen Innenstadt sind einheitliche, dem Charakter der Altstadt angepasste Leuchten. Nur in der Kaiserstraße stehen, davon abweichend, einsame Dokumente im modernistischen Charme der Fünfziger.

Sie sind ohne erkennbare Linienführung im sparsamen Zickzack angeordnet. Ihr Licht ist stumpf und zum Himmel gerichtet. Die Leuchten der neuen Kaiserstraße werden in das Konzept der Altstadt einbezogen, sie werden in Reihe gestellt und mit den heutigen Möglichkeiten der Lichtgestaltung eine glitzernd-leuchtende Allee bilden.

Begrünung
Die Bäume sind verkommen und müssen mit Nährstoffen versorgt werden. Volkes Stimme spricht von Klettergerüsten und einer sie umgebenden Betonwüste. Sie werden teilweise erneuert und ergänzt. Am Fuße jeder Leuchte werden sich Kletterrosen nach oben winden.

Der Köpfleinsberg (er hat einen kleinen Schönheitsfehler: die Denkmalsdame steht mit ihrem Allerwertesten zur Kaiserstraße und zur Altstadt) erhält grüne Inseln. Und: die einzelnen Geschäfte sollten sich engagieren und eigene passende Begrünungen bereitstellen.

Ausstattung
Der Schüsselesbrunnen ist verkommen und nachts kaum zu sehen. Das Spiel von glitzerndem Wasser, das als Anziehungs- und Treffpunkt überall auf der Welt die Menschen in seinen Bann zieht, wird sträflichst verschenkt. Und das Wiener Kaffee daneben, ein einst einzigartiger Treffpunkt, hat man ganz fürchterlich vergrault.

Über Kunst müsste man nachdenken. Informationshinweise sind zu überarbeiten und zu ergänzen (wo ist die Toilette, wo die U-Bahn, das Parkhaus...?). Über einen ständigen Reinigungs- und Wartungsdienst, wie man ihn von den City-Centren kennt, muss nachgedacht werden. Die wild parkenden Fahrräder und die wild aufgestellten Reklametafeln sind ein ungelöstes Problem.

Straßenmarketing
Für die Prachtstraße Nanjing Road in Sanghai gibt es eine Road-Community, ein Zusammenschluss der Eigentümer und Mieter, der sich um alle die Dinge kümmert, die weder der einzelne Eigentümer und/oder Mieter alleine noch die Stadt leisten können.

In Hamburg und Berlin wird das Konzept des BID, des Business Improvement District, mit großem Erfolg geprobt. Eigentümer und Mieter tun sich zusammen, um sowohl eine wirksame Stimme zu haben als auch gemeinsame Probleme gemeinsam zu lösen. In die Geschäfte muss Leben, Campe und Schuler machen es vor, und in der Straße muss etwas geschehen, wie es die Obere Wörthstraße immer wieder zeigt. Packen wirs an, es geht, ja, es geht tatsächlich.

Was ist sonst noch möglich oder denkbar?
Was in Wien oder Mailand geht, ist auch in Nürnberg denkbar: trockenen Fußes einkaufen oder: vom Parkhaus direkt in die Geschäfte: die Kaiserstraße erhält eine Überdachung. Sie ist ganzjährig und dauernd, sie ist lichdurchlässig, frei tragend und beeinflußt an keiner Stelle die vorhandene Bausubstanz. Diese Kaiser-Galeria würde die Umsätze anheben und wäre ein Treff und eine einmalige und nachhaltige Attraktion - unabhängig von jedem Wetter.

Nürnberg hat viel zu bieten. Es wäre wunderbar, wenn wir dieses Potential nutzen, diese Schätze heben würden. Das betrifft nicht nur die Kaiserstraße. Der Christkindlesmarkt ist genau so in die zweite Liga abgerutscht - und noch einige andere Einrichtungen mehr.

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